PERSONAL: GO YOUR OWN WAY

19:29:00

Gestern vor genau einem Jahr habe ich meine erste Abiprüfung geschrieben. Deutsch-LK, Gedichtsinterpretation. Ich weiß noch ganz genau wie ich drei Seiten komplett durchgestrichen habe, wie ich beinahe bis zum Ende durchgeschrieben habe, wie aufgeregt ich vorher war. Jetzt lese ich auf vielen anderen Blogs wie andere ihre Abizeit erleben, höre das gleiche Stöhnen von Freundinnen, die gerade im Lernstress sind und nach den Prüfungen oft das gleiche erleichtert-genervte: "Ich hab viel zu viel gelernt!". Wie Hinz und Kunz mir damals, stellt auch ein Jahr später jeder die Traumfrage alle Abiturienten: "Und was machst du nach dem Abi?" Es gibt auf diese Frage so viele Antworten. Ich bin weder ein Paradebeispiel, noch Expertin für Karrierefragen, aber ich habe meine Antwort auf diese Frage gefunden und dachte vielleicht hilft es einigen, die Geschichte meiner Suche zu lesen.

Ich muss eigentlich damit anfangen, dass ich wirklich Glück hatte. Ich habe wundervolle Eltern und Stiefeltern, die mir nie Druck gemacht haben. Es war für meine Familie keine Bedingung, dass ich direkt nach der Schule studiere, oder eine Ausbildung mache. Es gab nie den Anspruch an mich Medizin, zu studieren oder in die Fußstapfen meiner Eltern zu treten und Journalistin zu werden. Ich wurde wirklich in allem unterstützt, meine Träumereien wurden nie als lächerlich abgetan, sondern immer diskutiert und ernst genommen. Ich weiß, dass das nicht für alle gilt und will auf keinen Fall sagen, dass ihr es schlechter habt. Ich will nur sagen, dass es in den Entscheidungen nach dem Abi um eure Wünsche und Vorstellungen gehen sollte.

Meine Wünsche für die Nach-Abi-Zeit lassen sich relativ knapp zusammenfassen: 
1. Ich wollte endlich einmal Alltag mit meinem Vater verbringen. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich zwei war und auch wenn wir ein tolles Verhältnis haben und ich ihn jedes Wochenende gesehen habe, ist ein gemeinsamer Alltag doch etwas ganz anderes.
2. Ich wollte Spanisch lernen. Sechs Jahre Spanisch und selbst der Spanisch-Leistungskurs haben mich diesem Wunsch nicht wirklich näher gebracht.
3. Ich wollte den Amazonas sehen, diesen magischen Ort entdecken, von dem ich seit Jahren träumte und der für mich Abenteuer symbolisierte.
4. Ich wollte nicht direkt studieren, sondern reisen.

Meine Eltern konnten mir diesen Wunsch nicht finanzieren, weshalb es für mich direkt nach meinem Abiball für sieben Wochen in das Mercedes-Benz-Werk in Bremen ging. Deren Sommerjobs sind wirklich nur zu empfehlen und auch für dieses Jahr liegt meine Bewerbung den lieben Leutchen dort schon vor. Nach einer Reise nach Griechenland wurden meine Sachen dann gepackt und ich zog aus meinem kleinen Städtchen in der Nähe von Bremen nach Oldenburg. Auch hier wurde gearbeitet, dieses Mal bei Zara und nebenbei lange nach einer Stelle in Südamerika gesucht. Fündig geworden bin ich bei South America Inside. Warum diese Organisation, warum Chile, warum ein Farm Stay? Weil es das günstigste war. Ich muss ganz ehrlich sein: 1000 Euro für zwei Monate soziale Arbeit hatte ich leider einfach nicht, auch wenn ich das wirklich gerne gemacht hätte. Und so wurde gebucht: 2 Monate Arbeiten in Chile, drei Wochen Urlaub in Brasilien für den dann glücklicherweise mein Freund auch noch mitkommen würde.



Es war die wunderschönste Zeit, die ich bis jetzt erleben durfte! Ich habe so viel über mich selbst gelernt, bin sehr viel selbstbewusster geworden, ich spreche endlich Spanisch, das verständlich ist und habe Orte gesehen von denen ich zum Teil ewig geträumt und zum Teil nie gehört hatte. Ich habe Zeit mit meinem Vater gehabt, habe ihn wirklich kennen gelernt. Mir wurde die Angst vorm alleine reisen genommen und ich habe mich zum ersten Mal vollkommen frei gefühlt.
Ich musste mir oft anhören, dass ich faul wäre, dass ich meine Zeit vergeude und dass diese Lücke im Lebenslauf mir definitiv nicht gut tun würde, Ich musste mich unzählige Male rechtfertigen, ich hatte unheimlich Angst und als ich im Januar alleine im Flugzeug saß, hatte ich einen richtigen Panikanfall. Es war nicht der leichte Weg, da bin ich ganz ehrlich, aber für mich war es genau der richtige Weg.

Ich habe dieses Jahr härter gearbeitet als je zuvor, ich habe mehr gelernt, als in 12 Jahren Schule und trotz meines "Hänger-Jahres" habe ich meinen Traumstudienplatz bekommen und werde ab September in Malmö Internationale Beziehungen studieren.
Meine Wünsche sind wahr geworden auch wenn es nicht leicht war diese Wünsche durchzuboxen und ich glaube allein diese Bestätigung von jemand ganz Normalen nachzulesen, hilft euch vielleicht, gerade wenn ihr noch unentschieden seid. Eure Wünsche müssen nicht mal nah an meinen sein. Wenn ihr seit Jahren eine Traumuni und euren Traumstudiengang habt, go for it. Wenn ihr eine Ausbildungsstelle gefunden habt, die euch ein Strahlen ins Gesicht zaubert, dann schlagt sie nicht in den Wind. Fühlt nur vielleicht noch einmal nach, was genau ihr von eurem Leben wollt und arbeitet daran diese Wünsche wahr zu machen. Auch wenn das manchmal schrecklich schwierig ist, wird euch nichts anderes glücklich machen.

Ich weiß das ist hier jetzt ein ganz ungewohnt persönlicher Post, aber irgendwie hat mir das lange im Kopf herum gespukt und ich hatte irgendwie das Bedürfnis, diese Gedanken nieder zu schreiben. Falls ihr das jetzt alles durch gelesen habt, dann Respekt und ich hoffe ich konnte ein wenig helfen.


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13 Kommentare

  1. Hola!
    Ein tolelr Post! Mir ging es nach dme Abi ähnlich wie dir und deshalb bin ich für ein halbes Jahr nach Ecuador gegangen! Das war die beste Entscheidung meines Lebens! :)
    Saludos
    Hannah

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  2. Schöner Post, habe mir sogar alles durchgelesen :)
    Ich ahbe auch letztes Jahr Abi machen und bin einfach nur froh, dass ich es schon hinter mir habe wenn ich an diesen ganzen Stress denke.
    Ich fange auch erst dieses Jahr mit einer Ausbildung an, weil ich nach 13 Jahren Schule nicht direkt weiter lernen wollte, sondern erstmal mein Leben leben. Und auch ich musste mich oft dafür rechtfertigen, dass ich jetzt ein Jahr "vergeude", aber ist ja immerhin mein Leben und meine Entscheidung :)
    In diesem Jahr habe ich auch unendlich viel gelernt. Ich habe viel gearbeitet, aber auch das Leben in vollen Zügen genießen können und Dinge gem,acht, die ich schon seit langem mal machen wollte.
    Schönen Blog hast du :)
    Wenn du magst,s chau doch auch mal bei mir vorbei, ich würde mich reuen :)

    Liebste Grüße ♥

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  3. Meine liebe,
    ich liege schon im Bett und sollte dringendst schlafen aber ich wollte dir noch für diesen Post danken. Du hast genau das beschrieben, genau die Zweifel genannt, die auch mich plagen. Ich hab mir auch schon sogar vom eigenen Freund anhören müssen, was so ein Auslandsjahr denn bringen soll, dass sich das sicher nicht gut im Lebenslauf macht. Ich hatte selbst so viele Zweifel: wenn meine Freunde in's dritte Semester kommen, fange ich gerade zum studieren an. Und dann auch noch Hamburg: ewig weit weg und doch gar so teuer. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Du hast mir auf jeden Fall Mut gemacht danke dafür! :)

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  4. love your post! :D
    thanks for your sweet comment on my blog, anyway
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  6. Ich war in Kalifornien...
    war schon eine krasse Erfahrung:)
    schöner Header übrigens!
    xx

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  7. Wahnsinns-Post. Ehrlich, ich hab deinen Text gerade so richtig verschlungen und finde es toll, dass du soviel Persönliches hier teilst. :)
    Es ist unglaublich wichtig den EIGENEN Weg zu gehen - dass du jetzt schon so eine klare Vorstellung hast (bzw. hattest mit dem Auslandsaufenthalt), ist grandios. Deine Erfahrungen hören sich wunderbar an und ich freue mich, wenn du mir mehr davon erzählst! (Am Sonntag!) :)

    Liebst, Sara.

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  8. danke !!! ja das tue ich :)

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    xx michaela

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  9. Ich hätte die Ausbildung wahrscheinlich auch nicht gepackt. Denn meine Kraft war einfach futsch und ich hatte nicht die nötige Power, die ich gebraucht hätte, direkt ne Ausbildung anzufangen. Ich werde eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau beginnen.

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  10. followed you :) thanks for following me
    keep in touch <3

    www.feliciayohana.com

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  11. Liebes, du hast mich grade ziemlich mit deinem Post berührt.
    Ich bin so heilfroh, dass auch andere ihre Träume leben, wie auch du hab ich dsd Glück in einer Familie zu leben, die Teilweise bei all meinen Entscheidungen hinter mir steht.
    Einige von ihnen hätten es wohl aber doch lieber gesehen würde ich Jura oder ähnliches studiere. Nach meinem MSA 2009 hatte ich absolut keine Lust aufs Abi obwohl ein Notenschnitt 1,4 nur dafür Sprach. Ich machte also in der Zeit meine Ausbildung, die nicht mit meinem Traumjob zu tun hatte, aber nah dran war. Nach abgeschlossener Ausbildung aber setzte ich mich nun nochmal in den ABI-Sessel und sobald ich fertig bin heißt es auch für mich erstmal ausfliegen.
    Sicherheit, dass es klappt, was ich mir für diesen Sommer wünsche habe ich noch nicht, aber ich hoffe, drücke die Daumen und kratze mein Geld Mühselig zusammen und arbeite dafür. Um im August oder September endlich sagen zu können - ich bin dann mal weg.
    Ein fantastischer Post. Danke für diese Worte, die Motivieren mich weiter zu arbeiten und zu hoffen, das alles so klappt wie ich es mir wünsche.

    Liebe Grüße.
    Patricia

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  12. ich bin fürs studieren nach bremen gezogen. bei dem einen fach weiß ich, dass es das richtige ist. bei dem anderen bin ich mir nicht sicher.
    aber ich finde es toll, was du alles in dem letzten jahr gemacht hast! und ich freue mich für dich, dass es bald nach schweden geht :)
    ich freue mich selber schon drauf in einem jahr hoffentlich nach england gehen zu können. das ist mein ziel und ich hoffe, ich erreiche es auch :)

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  13. So ein toller Post!!
    Rechtfertigen, für so viel Erfahrung und harte Arbeit? Lächerlich! Du hast genau das richtige gemacht und der Großteil der Abiturienten wünschten sich, sie hätten den gleichen Mut wie du! Dazu gehöre ich auch!
    Alles geil gemacht, und hammer dass du nach Malmö gehst! Kanns du denn schwedisch? :D

    Liebe Grüße,
    Ranim

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